Allerheiligen 2025

Allerheiligen 2025

Sehr geehrter Herr Pfarrer!
Liebe Mandatare der Stadtgemeinde Raabs an der Thaya!
Werte Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehren!
Liebe Musikerinnen, Musiker und Chormitglieder!
Geschätzte Damen und Herren!

Wir haben uns heute, am Allerheiligentag, wie jedes Jahr beim Kriegerdenkmal versammelt, um der Gefallenen beider Weltkriege zu gedenken.
Sie haben für ihre – für unsere – Heimat ihr Leben verloren. Dafür wollen wir sie heute ehren und würdigen.

Mit großer Betroffenheit müssen wir auch heuer wieder feststellen, dass es leider noch immer – oder schon wieder – in vielen Ländern auf der Welt kriegerische Auseinandersetzungen gibt.
Von vielen dieser Konflikte hört man in den Medien kaum mehr etwas, weil dort Krieg schon zum traurigen Alltag geworden ist – mit all seinen unvorstellbaren Folgen für die Bevölkerung.

Vor allem Kinder wachsen dort in einer Welt voller Gewalt, Hunger und Leid auf. Familien werden zerrissen, und der tägliche Überlebenskampf bestimmt ihr Leben.
Oft gibt es keine Schule, stattdessen lernen Kinder den Umgang mit Waffen – und wie man tötet. Es darf also nicht verwundern, dass Fanatismus und Grausamkeit zunehmen.

Ein besonders erschütterndes Beispiel war der 7. Oktober 2023, als Terroristen der Hamas den Süden Israels überfielen und das schlimmste Massaker an Juden seit dem Holocaust verübten. Über 1200 Menschen, vor allem Zivilisten, wurden ermordet, und rund 250 Geiseln verschleppt.
Dieser Krieg forderte inzwischen mehr als 80.000 Todesopfer, und der Gazastreifen liegt weitgehend in Trümmern. Die Menschen dort haben kaum mehr ein Zuhause – viele schlafen im Freien, in Ruinen oder Zelten.

Auch in der Ukraine, seit nun fast vier Jahren Schauplatz eines Angriffskrieges, sterben täglich unschuldige Menschen. Und auch in anderen Regionen – etwa im Sudan – werden Krankenhäuser und Hilfseinrichtungen nicht verschont.
Da fragt man sich unweigerlich: Wo bleibt die Gerechtigkeit, wenn immer die Unschuldigen den höchsten Preis zahlen müssen?

Wir alle können dankbar sein, in einem friedlichen Land wie Österreich geboren zu sein. Unsere Vorfahren haben dieses Land nach den Schrecken des Krieges wieder aufgebaut – das war nur möglich, weil man zusammengehalten hat und gemeinsam Verantwortung übernommen hat.

Einander zuzuhören, das Verbindende vor das Trennende zu stellen, und im richtigen Ton miteinander zu reden – auch wenn es nicht immer leicht ist – das sind einfache, aber wichtige Grundsätze für ein gutes Miteinander.
Wenn wir das beherzigen, finden wir auch Lösungen – im Sinne aller.

Wir leben in Freiheit und Wohlstand, und doch hat man manchmal den Eindruck, dass viele Menschen heute unzufriedener sind als frühere Generationen – obwohl diese es ungleich schwerer hatten.
Das Verantwortungsbewusstsein jedes Einzelnen scheint darunter zu leiden. Wir befinden uns, so ehrlich muss man sein, in einer Art „Vollkaskogesellschaft“.

Viele reden darüber, was besser werden sollte – aber nur wenige tun tatsächlich etwas. Oft heißt es: „Die Gemeinde soll das machen.“
Doch Gemeinde – das sind wir alle!
Zwischen Reden und Tun liegen Welten. Reden ist wichtig – aber was zählt, ist das, was wir wirklich umsetzen.

Ein bedeutender Tag in unserer Geschichte ist der 26. Oktober, der Nationalfeiertag. Heuer haben wir den 70. Jahrestag des Neutralitätsgesetzes und zugleich 70 Jahre Bundesheer gefeiert.
Bundespräsident Alexander Van der Bellen hat dabei betont, dass der gute Kompromiss immer die Grundlage unseres Erfolges war – und es auch in Zukunft bleiben muss.

Wir stehen in Österreich vor großen Herausforderungen: steigende Preise, ein belastetes Gesundheitssystem, wirtschaftliche Unsicherheiten, Probleme in Bildung und Energieversorgung.
Gleichzeitig wurde in den letzten Jahren – vor allem auf Bundesebene – zu oft Geld nach dem Gießkannenprinzip verteilt.
Und wenn wir bedenken, dass Österreich jedes Jahr Energie im Wert von rund 20 Milliarden Euro aus dem Ausland bezieht – oft aus Ländern ohne Menschenrechte –, dann sollte uns das zu denken geben.

Politik muss über Parteigrenzen hinweg mutige Entscheidungen treffen – auch wenn diese nicht immer populär sind.
Mit Populismus ist noch keinem geholfen – weder im Bund, im Land noch in der Gemeinde.
Wichtig ist Ehrlichkeit gegenüber den Menschen – und dass man nicht nur bis zur nächsten Wahl denkt, sondern darüber hinaus.

Ich bin froh und dankbar, dass dieses Miteinander hier in unserer Gemeinde gut funktioniert. Nur wenn wir zusammenhalten, kommen wir weiter – das ist der einzig richtige Weg.

Wir können stolz darauf sein, so viele Vereine in unserer Gemeinde zu haben. Jeder einzelne Verein bereichert das Leben in Raabs.
Hinter jedem Verein stehen engagierte Bürgerinnen und Bürger – egal welchen Alters oder Berufs. Jeder ist gleich wichtig, jeder leistet seinen Beitrag.

Ich durfte in den letzten Wochen bei mehreren Vollversammlungen dabei sein, und es ist beeindruckend zu sehen, wie viel Herzblut und Einsatz hier das ganze Jahr über eingebracht wird.

Es liegt an jedem Einzelnen, etwas zu tun – und nicht nur darüber zu reden.
Lassen wir uns nicht treiben, sondern nehmen wir unsere Zukunft selbst in die Hand. Dann werden wir auch eine gute Zukunft für uns und unsere Kinder haben – ganz im Sinne unserer Vorfahren, denen wir heute gedenken.

Ich bitte nun um die Durchführung der Kranzniederlegung.


Allerheiligen 2025


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07.11.2025